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22.06.2017 in Wissen von Melanie Wieland

Mach’s einfach

Mach’s einfach

Ich habe ein paar Lieblingssätze, die ich gerne in meinen Seminaren verwende. Einer der Sätze lautet: „Mit der Ankurbelung des Konsums durch Investitionen in marketinggerechte Verkaufsräume, verbesserte Qualifizierung des Verkaufspersonals und zeitliche Reduzierung des Zahlungsvorgangs durch die Kunden will der Einzelhandel zur Belebung der Binnenkonjunktur beitragen.“

Schön, oder? Mein Publikum fängt für gewöhnlich an zu kichern, wenn ich das vorlese – ich dagegen könnte schreien, wenn ich in Zeitungen, Zeitschriften, auf dem Bildschirm oder sonst wo auf derartiges Geschwurbel stoße. Aus dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst etwa hieß es Mitte Mai 2017: „Der Nexus-Ansatz berücksichtigt die komplexen Wirkungszusammenhänge zwischen den verschiedenen Umweltressourcen und zielt auf die Erhöhung der Effizienz bei der Nutzung von Wasser, Boden und Abfall.“ Und ich so: Uharghhhh!

Warum, zum Teufel, tun uns Pressestellen, Webseiten und sogar Journalisten so etwas an? Können die denn alle kein Deutsch? Natürlich können die das, die meisten können sogar schreiben. Sie machen sich nur keine Gedanken darüber, wie sie das am besten tun sollten und wie sie dafür sorgen können, dass die vielbeschrienen Nutzer – also auch ich – auf Anhieb verstehen, wovon die Rede ist. Manchmal wollen sie das auch gar nicht. Das ist dann blöd.

Grundsätzlich gilt für jeden Text, der zur Information ins Netz (oder in eine Broschüre oder in eine Zeitung) gesetzt wird, dass er verständlich sein muss. Verständlich heißt: Ich will den Text nur einmal lesen und dabei gleich verstehen. Ich will nicht analysieren, was da drin steht, ich will keine grammatikalische Analyse machen und auch nicht mit anderen über den Inhalt diskutieren müssen. Denn was genau soll „die zeitliche Reduzierung des Zahlungsvorgangs durch die Kunden“ bedeuten? Keine Kassenschlangen? Hm, möglicherweise wird das gemeint gewesen sein. Nur … da steht „durch den Kunden“, er ist es also, der irgendetwas tun soll. Genau, richtig, am Ende der Analyse stellt man fest, dass in dem Text steht, der Kunde soll sich beim Bezahlen (gefälligst) beeilen. Das wird nicht gemeint gewesen sein.

Fürs Texteschreiben heißt das: Bitte haltet es einfach. Egal, um welchen Text es sich handelt – für Broschüren, für Websites, für Flyer oder für den Ideencheck: sorgt bitte dafür, dass man ihn einfach lesen kann. Erklärt in einfachen Worten, was ihr vorhabt. Beschreibt in klaren Sätzen und lieber mit einem zu viel als mit einem zu wenig, wie euer Unternehmen funktioniert, was für ein Produkt ihr anbietet oder wie euer Service funktioniert. „Der Einzelhandel“, hätte es zum Beispiel heißen können, „will im Inland mehr verkaufen. Mit schöneren Läden, gut ausgebildeten Verkäufern und kürzeren Kassenschlangen sollen die Kunden dazu verleitet werden, mehr Geld auszugeben.“ Kapiert?

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